FreeBSD



Die ersten

Schritte





K. Heuer







Die Titelseite zeigt das BSD-Symbolbild, einen Daemon nach Art der klassischen griechischen Mythologie. Ein solcher Daemon war ein dienstbarer Geist, der nicht von vorneherein als gut oder böse eingeordnet wurde.

Der BSD-Daemon symbolisiert die UNIX-typischen dienstbaren Dämonprozesse, die jederzeit in einem Schlummerzustand auf Aufgaben warten, um diese zu erledigen. Die Gabel in der Hand steht für den elementarsten aller UNIX-Systemaufrufe namens fork, mit dem Prozesse sich vervielfältigen können, was gerade Dämonprozesse auch häufig tun.

Irrtümlich wird der BSD-Daemon häufig als Teufelchen interpretiert, was eben falsch ist.









FreeBSD – Die ersten Schritte

Dr. Konrad Heuer

Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen

(GWDG)

Am Faßberg

37077 Göttingen


kheuer@gwdg.de


Alle Rechte vorbehalten. Die Verteilung dieser GWDG-Broschüre ist frei, solange die Urheberschaft der GWDG genannt bleibt. Jede Haftung für die mitgeteilten Informationen ist ausgeschlossen.


Die Broschüre ist aus Begleitmaterial zu GWDG-Kursen entstanden und wendet sich nicht an FreeBSD-Kenner und -Experten, sondern soll Interessierten, die nicht über einschlägige Vorkenntnisse verfügen, helfen, einen Einstieg in die Installation und Verwaltung dieses leistungsfähigen Open-Source-Betriebssystems zu finden.


Version 1.0
Göttingen, im Juni 2001.


Inhaltsverzeichnis

1. FreeBSD und andere Open-Source-Betriebssysteme 5

1.1 Die Geschichte von UNIX 5

1.2 FreeBSD und andere BSD-Systeme 6

1.3 Linux 6

1.4 Die Qual der Wahl 7

1.5 Kosten 7

1.6 FreeBSD-Versionsbezeichnungen 8

2. Installation von FreeBSD 9

2.1 Installationsmedien 9

2.2 Erzeugen der Startdisketten 9

2.3 Systemstart von CD oder Disketten 11

2.4 Partitionierung der Festplatte 13

2.5 Aufteilung der FreeBSD-Partition 14

2.6 Auswahl des Installationsumfangs 15

2.7 Die FreeBSD-Ports-Sammlung 15

2.8 Umfang des X-Window-Systems 16

2.9 Auswahl des Installationsmediums 16

2.10 Start des Installationsprozesses 18

2.11 Abschließende Konfigurationsfragen 18

2.11.1 Netzwerkadapter, Gateway Funktion und FTP-Zugang 18

2.11.2 Export und Import von Netzwerk-Dateisystemen 18

2.11.3 Sicherheitsprofil 19

2.11.4 Einstellung der Systemkonsole und der Zeitzone 19

2.11.5 Linux-Binärkompatibilität 19

2.11.6 X-Window-Konfiguration 19

2.11.7 Einrichten von Benutzern und Systemverwalter-Kennwort 21

2.11.8 Abschluss und Neustart 21

3. Arbeiten mit FreeBSD 23

3.1 FreeBSD-Grundlagen 23

3.2 Benutzeranmeldung 25

3.2.1 Benutzer und Gruppen 25

3.2.2 Anmeldung am System 25

3.2.3 Starten des X-Window-Systems 26

3.3 Die Kommandozeilen-Schnittstelle 26

3.3.1 Zum Hintergrund 26

3.3.2 Umgang mit der TC-Shell 27

3.4 Umgang mit Text-Editoren 28

3.5 Anwendungs-Software 30

4. Systemkonfiguration 33

4.1 Wichtige Konfigurationsdateien 33

4.2 Konfiguration des Systemkerns 34

4.3 Einrichten von Druckern 35

4.4 Einwahl per Modem mit PPP 35

4.4.1 Einleitung 35

4.4.2 Kernel-Konfiguration 36

4.4.3 PPP-Konfiguration 36

4.4.4 Starten von PPP 38

5. Abhilfen bei Schwierigkeiten 41

A. Tabellarische Befelsübersicht 43

B. Wichtige vi-Befehle 44

C. Internet-Adressen und Literaturangaben 45


1. FreeBSD und andere Open-Source-Betriebssysteme

  1. Die Geschichte von UNIX

In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts arbeiteten verschiedene US-Firmen an einem Betriebssystem-Projekt namens MULTICS (Multiplexed Information and Computing Service), das vielen Benutzern einen dialogorientierten Rechnerzugang bieten sollte. Da das Projekt nur langsam voranging, zog die Firma AT&T sich Ende der sechziger Jahre zurück. Ken Thompson und Dennis Ritchie, Mitarbeiter in den AT&T Bell Laboratories und bis dahin am Multics-Projekt beteiligt, schufen in Assembler-Code ein von MULTICS inspiriertes, aber wesentlich kleineres System für einen PDP-7-Rechner von Digital Equipment. Mehr oder weniger spaßhaft nannten sie es UNICS (Uniplexed Information and Computing Service).


Schon bald (1973) war das System größtenteils in C umgeschrieben und hieß UNIX. Freie Kopien wurden an Universitäten verteilt, und die Computer Science Research Group (CSRG) der Berkeley-Universität in Kalifornien bildete neben den AT&T-Arbeitsgruppen einen Schwerpunkt der in Folge divergierenden UNIX-Entwicklung.


Die von der CSRG als Berkeley Software Distribution herausgegebene Variante wurde landläufig als BSD-UNIX bezeichnet; die letzte Version 4.4BSD der danach aufgelösten CSRG ist seit 1994 freigegeben. Bei AT&T mündete die Entwicklung 1989 in UNIX System V Release 4 (SVR4), das die wichtigsten Merkmale von 4.3BSD einschloss. Später (1993) verkaufte AT&T das UNIX-System an Novell, und Novell verkaufte wiederum 1995 an The Santa Cruz Operation. Seit 2001 ist der Linux-Distributor Caldera Eigentümer des aus SVR4 hervorgegangenen SCO OpenServer-UNIX.


Das BSD-System hat die UNIX-Welt maßgeblich geprägt, und BSD-typische Eigenschaften haben sich genauso zu einem Quasi-Standard entwickelt wie AT&T-typische Elemente. Die meisten UNIX-artigen Systeme verwenden heute einen Mischung aus beiden Linien und bevorzugen je nach Subsystem die eine oder andere Variante.


Neben kommerziellen Varianten (u.a. AIX, BSDI, Compaq Tru64 UNIX, HP/UX, IRIX, MacOS X, SCO UNIX, Solaris/SunOS, UNICOS) gibt es freie BSD-UNIX-Derivate (Darwin, FreeBSD, NetBSD und OpenBSD) sowie freie UNIX-artige Systeme (Linux).


Der Begriff UNIX wird im allgemeinen im weiten Sinne für alle UNIX-Derivate und oft auch für Linux gebraucht. Grundsätzlich ist UNIX jedoch ein geschützter Name; die Namensrechte sind von Novell an das X/OPEN-Firmenkonsortium übertragen worden. Die freie Verwendung des Namens UNIX sowie anderer geschützter Namen in dieser Broschüre sollte den Leser nicht über die vorhandenen rechtlichen Restriktionen hinwegtäuschen.

1.2 FreeBSD und andere BSD-Systeme

FreeBSD und NetBSD entwickelten sich Anfang der neunziger Jahre aus dem Bestreben, das BSD-System für die Architektur der Intel-80386-Prozessoren portieren. Aufgrund von Rechtsstreitigkeiten zwischen der Universität von Berkeley und AT&T gerieten die BSD-Systeme in eine Krise, die erst Mitte der neunziger Jahre überwunden werden konnte. Das BSD-System wird heute in mehereren Variationen weiterentwickelt:


1.3 Linux

Linux entstand seit etwa 1990 als komplett neues System nach UNIX-Vorbild, weil der Rechtsstreit, mit dem AT&T die Universität von Berkeley überzog, die Entwicklung eines freien UNIX-ähnliches Systems erstrebenswert machte. Linux ist in Form unterschiedlicher Distributionen erhältlich (z.B. Caldera, Debian, RedHat, Slackware, SuSE), die sich hinsichtlich Installation und Administration merklich voneinander unterscheiden.

1.4 Die Qual der Wahl

Da es nun eine ganze Reihe von freien Betriebssystemen gibt, stellt sich die Frage, für welches man sich entscheiden soll. Einige Stärken der BSD-Systeme wurden schon genannt. Die größte Stärke von Linux ist die Popularität, die das System genießt. Zwar splittert sich die Linux-Welt in über 150 unterschiedliche Distributionen auf, von denen vielleicht 6 oder 7 dominieren, aber als Vorteil bleibt, dass viele Distributoren sich um Werkzeuge für eine möglichst einfache Systeminstallation und -administration bemühen. FreeBSD gilt immer noch als das leistungsfähigere System inbesondere für Server, auch wenn viele schlimme Schwächen der früheren Linux-Versionen inzwischen weitgehend überwunden sind. Im Gegensatz zu vielen Linux-Distributionen fordert FreeBSD, und das gilt noch mehr für OpenBSD und NetBSD, dem Einsteiger deutlich mehr ab. Dokumentation ist überwiegend nur in englischer Sprache verfügbar, und Systemadmistration über ein gewisses Maß hinaus erfordert Übung im Umgang mit Kommandozeileneingaben und Text-Editoren.


Wer aber wirklich den Umgang mit UNIX-Systemen erlernen will, kann kaum eine bessere Wahl als ein BSD-System treffen. Da BSD die UNIX-Welt in kaum überschätzbarer Weise geprägt hat, lernt der Interessierte in gewisser Weise am Original. Von der technischen Qualität und vom Softwareangebot gibt es insbesondere unter FreeBSD keine Einbußen gegenüber Linux. FreeBSD bietet eine Linux-Laufzeitumgebung, so dass praktisch alle Linux-Programme unter FreeBSD lauffähig sind. Die Linux-Laufzeitumgebung ist hauptsächlich für kommerzielle Software wichtig; bei Open-Source-Software sind die Unterschiede in der Verfügbarkeit zwischen Linux und FreeBSD marginal. NetBSD und OpenBSD liegen wie bei den kommerziellen Programmen auch hier ein wenig zurück.


Das XFree86-Projekt unterstützt alle Open-Source-Betriebssysteme gleichermaßen, so dass sich an der grafischen Oberfläche unter UNIX, dem X-Window-System, keine Entscheidung festmachen lässt.


Kurzum: Wer sich für FreeBSD und nicht für Linux entscheidet und wenig oder keine UNIX-Erfahrung hat, wird in der Regel einen schwereren Weg zurücklegen, dafür aber hinterher sehr wahrscheinlich auch mehr gelernt haben. Natürlich kann der Interessierte auch unter Linux grundsätzliche Dinge lernen, aber viele Distributionen erzwingen dies nicht mehr so sehr.

1.5 Kosten

FreeBSD ist wie Linux und andere Open-Source-Systeme frei und kostenlos im Internet verfügbar. Es fallen keine Lizenzgebühren an, und das Anfertigen von Kopien ist legal. CD-Sätze zur Installation sind käuflich im Buch- oder Computerhandel erhältlich, wobei der Kaufpreis zur Finanzierung der Vertriebswege und zur Förderung des Projektes dient.

1.6 FreeBSD-Versionsbezeichnungen

FreeBSD ist ein Betriebssystem, das ständig von einer Vielzahl von Entwicklern weiter vorangetrieben wird. Der neueste, ständigen Änderungen unterworfenen Zweig von FreeBSD trägt den Namen FreeBSD-current und ist nicht für den täglichen Gebrauch geeignet, sondern für Entwickler und Tester vorgesehen. Vielmehr gibt es einen Zweig FreeBSD-stable mit moderaten Aktualisierungen und Fehlerkorrekturen, der die aktuelle stabile Version für den produktiven Einsatz enthält. Von Zeit zu Zeit, etwa alle drei Monate, wird als Augenblicksaufnahme von FreeBSD-stable ein Release festgelegt, für das ein CD-Satz zum Vetrieb zusammengestellt wird.


Die Aktualisierung einer bestehenden Installation ist somit einerseits in mehrmonatigem Abstand per CD möglich, andererseits aber bei bestehendem Internet-Anschluss mit Hilfsprogrammen auch weitgehend kontinuierlich möglich. Der letztere Weg erfordert allerdings die erstmalige Installation und mehr oder weniger häufige Aktualisierung und Übersetzung des Quellkodes des gesamten Betriebssystems, was über den thematischen Rahmen dieser Broschüre hinausgeht.

2. Installation von FreeBSD

2.1 Installationsmedien

Das FreeBSD-Installationsprogramm bietet die Möglichkeit, verschiedene Medien als Datenquelle zu verwenden. Die zwei Wege mit der größten praktischen Bedeutung sollen nachfolgend beschrieben werden.


Für den Nutzer, der über keine ausreichend schnelle Internet-Anbindung (T-DSL oder besser) verfügt, ist die Installation per CD am günstigsten. Der Standard-CD-Satz von WindRiver, dem primären Vertreiber von FreeBSD, umfasst vier CDs und ist über den Buchhandel erhältlich.
Lehmanns Versandbuchhandlung (http://www.lob.de) bietet zusätzlich einen von zwei deutschen FreeBSD-Mitentwicklern zusammengestellten Satz aus fünf CDs an.


Zwar läßt sich ein fertiges Abbild der ersten und wichtigsten CD des aktuellen Satzes von WindRiver auch per Download aus dem Internet beziehen, jedoch ist das aufgrund der Datenmenge bei Modem- oder ISDN-Anbindung selten praktikabel; Übertragungszeiten von 30 bis 40 Stunden wären erforderlich.


Bei schneller Internet-Anbindung lohnt sich das Übertragen des CD-Abbilds, wenn FreeBSD auf mehreren Rechnern installiert werden soll. Ansonsten ist eine Installation per FTP, der zweite beschriebene Weg, in der Regel praktischer.


Alle relevanten Pfade respektive Ordner sind in Anhang C zusammen mit den Internet-Adressen und Literaturangaben genannt und werden nachfolgend nur noch mit einer Kurzbezeichnung angesprochen. Der oberste Ordner einer Installations-CD entspricht weitgehend einem Release-Ordner wie beispielsweise /pub/FreeBSD/releases/i386/4.3-RELEASE auf einem FTP-Server.

2.2 Erzeugen der Startdisketten

Bei einer Installation von CD sind Startdisketten nur dann notwendig, wenn die Rechner-Hardware einen Systemstart von CD nicht unterstützt. Dies lässt sich einfach ausprobieren, indem der Rechner bei eingelegter CD neu gestartet wird. Allerdings kann es auch notwendig sein, den Systemstart von CD im BIOS-Setup-Menü des Rechners zu erlauben. Wenn ein Start von CD gelingt, brauchen keine Startdisketten erzeugt werden. Eine Installation per FTP erfordert dagegen immer die Vorbereitung von Startdisketten.


Die nachfolgende Beschreibung geht davon aus, dass die Startdisketten unter Windows 95, 98 oder ME erstellt werden. Unterschiede bei Windows NT, 2000 oder XP werden erwähnt; vorausgeschickt sei jedoch, dass dann zur Zeit nicht die Möglichkeit besteht, mit fips.exe den Windows-Bereich auf der Festplatte zu verkleinern.


Bei einer Installation per FTP müssen die benötigten Disketten-Abbilder im ersten Schritt vom FTP-Server auf den eigenen Rechner kopiert werden, was am leichtesten mit einem Internet-Browser wie dem MS Internet Explorer oder Netscape möglich ist. Die nachfolgende Abbildung zeigt den Inhalt des Ordners floppies auf einem FTP-Server am Beispiel 4.3-Release.

Current directory is /pub/FreeBSD/releases/i386/4.3-RELEASE/floppies

Up to higher level directory

CHECKSUM.MD5 256 bytes Sat Apr 21 13:22:00 2001

README.TXT 2 Kb Sat Apr 21 13:22:00 2001

boot.flp 2880 Kb Sat Apr 21 13:22:00 2001

fixit.flp 1440 Kb Sat Apr 21 13:22:00 2001

kern.flp 1440 Kb Sat Apr 21 13:22:00 2001

mfsroot.flp 1440 Kb Sat Apr 21 13:18:00 2001


Benötigt werden die Dateien kern.flp und mfsroot.flp, die durch Drücken der rechten Maustaste an der Position des Dateinamens und Auswahl des entsprechenden Menüpunktes auf den eigenen Rechner kopiert werden können. Als Zielposition wähle man beispielsweise bewusst den Ordner c:\windows\temp (beziehungsweise c:\winnt\temp unter Windows NT, 2000 oder XP) um die Dateien später wiederfinden zu können. Auf ähnliche Weise muss das Programm fdimage.exe aus dem Ordner tools kopiert werden.


Gegebenfalls werden auch noch das Programm fips.exe und die zugehörige Dokumentation fips.doc benötigt, die ebenfalls unter tools zu finden sind. Fips.exe kann dann eigesetzt werden, um Platz auf der Festplatte für einen FreeBSD-Bereich zu schaffen, wenn die gesamte Festplatte oder ein großer Teil derselben für Windows reserviert ist, Windows aber nur einen Teil des reservierten Plattenplatzes benutzt. Da die unbedachte Anwendung von fips.exe unangenehme Folgen haben kann, sollt man jedoch die Anleitung fips.doc sorgfältig lesen!


Im nächsten Schritt werden die beiden Disketten-Abbilder mit dem Hilfsprogramm fdimage.exe auf zwei leere Disketten kopiert. Dazu muss aus dem Windows-Startmenü heraus per Menüfolge Start->Programme->Zubehör die MS-DOS-Eingabeaufforderung geöffnet werden. In diesem Fenster sind dann nach und nach folgende Befehle einzugeben:


cd c:\windows\temp
fdimage -v kern.flp a:
fdimage -v mfsroot.flp

Vor jedem fdimage-Aufruf muss eine neue Diskette in das Laufwerk eingelegt werden. Man beschrifte die Disketten mit kern und mfsroot, um sie später voneinander unterscheiden zu können.


Werden die Startdisketten von einer CD ausgehend erzeugt, weil nicht direkt von CD gestartet werden kann, so ist die Befehlseingabe leicht verändert:


cd d:\tools
fdimage -v ..\floppies\kern.flp a:
fdimage -v ..\floppies\mfsroot.flp a:

Natürlich befindet sich das Programm fips.exe auch auf der CD im Ordner tools. Als Laufwerksbuchstabe des CD-Laufwerks ist hier D: angenommen; dies ist allerdings von der speziellen Rechnerkonfiguration abhängig.

2.3 Systemstart von CD oder Disketten

Nachdem die beiden Startdisketten erzeugt worden sind, kann der Rechner unter FreeBSD neu gestartet werden, indem zunächst die kern-Diskette in das Laufwerk eingelegt und dann unter Windows über das Startmenü ein Neustart angefordert wird. Nach dem ein Teil des FreeBSD-Systems von der ersten Diskette gelesen worden ist, wird auf dem Bildschirm die mfsroot-Diskette als zweite Diskette angefordert.


Bei einer geplanten Installation von CD muss, falls das Starten von CD nicht möglich war und Startdisketten verwendet werden, spätestens jetzt die CD eingelegt werden!


Nach einer weiteren Weile erscheint ein kleines Menü mit dem Angebot, den FreeBSD-Systemkern zu konfigurieren, damit er in Problemfällen bestimmte Hardware-Komponenten erkennen kann. Sehr oft ist eine besondere Konfiguration nicht notwendig, deshalb sollte man im ersten Versuch darauf durch Auswahl des obersten Menüpunktes verzichten.


Der FreeBSD-Systemkern beginnt im Anschluß daran mit Hardware-Abfragen, um die verfügbaren Geräte zu erkennen. Es erscheinen auf dem Bildschirm eine Reihe von Meldungen wie etwa diese:


ata0: at 0x1f0 irq 14 on atapci0

Angezeigt wird in diesem Beispiel, dass der erste IDE-Adapter über die hexadezimal angegebene Adresse 0x1f0 erreichbar ist und sich per Unterbrechungssignal 14 beim Prozessor meldet. Wer diese Begriffe nicht versteht, mag sie ruhig überlesen.


/stand/sysinstall Main Menu
Welcome to the FreeBSD installation and configuration tool. Please select one of the options below by using the arrow keys or typing the first character of the option name you're interested in. Invoke an option by pressing [ENTER] or [TAB-ENTER] to exit the installation.


Usage Quick start - How to use this menu system

Standard Begin a standard installation (recommended)

Express Begin a quick installation (for the impatient)

Custom Begin a custom installation (for experts)

Configure Do post-install configuration of FreeBSD

Doc Installation instructions, README, etc.

Keymap Select keyboard type

Options View/Set various installation options

Fixit Repair mode with CDROM/floppy or start shell

Upgrade Upgrade an existing system

Load Config Load default install configuration

Index Glossary of functions


[Select] X Exit Install

[Press F1 for Installation Guide]


Geht weiterhin alles gut, so meldet sich nach Abschluss der Hardware-Erkennung das Installationsprogramm mit dem oben dargestellten Hauptmenü. Die einzelnen Menüpunkte können entweder mit den Pfeiltasten oder durch Eingeben des Anfangsbuchstabens markiert und durch Betätigung der Eingabetaste ausgewählt werden.


Es ist anzuraten sich, zunächst nach Auswahl des Punktes keymap eine deutsche Tastaturabbildung einzustellen:

( ) Finnish ISO Finnish ISO keymap

( ) French ISO (accent) French ISO keymap (accent keys)

( ) French ISO French ISO keymap

(*) German CP850 German Code Page 850 keymap

( ) German ISO German ISO keymap

( ) Hungarian 101 Hungarian ISO keymap (101 key)

( ) Hungarian 102 Hungarian ISO keymap (102 key)

( ) Icelandic (accent) Icelandic keymap (accent keys)

( ) Icelandic Icelandic ISO keymap


Dazu wird mit den Pfeiltasten die Zeile German CP850 markiert und dieser Eintrag mit der Leertaste angekreuzt. Die Eingabetaste führt danach in das Hauptmenü zurück.


Die empfohlene Installationsweise wird im Hauptmenü über den Punkt Standard angesprochen. Schritt für Schritt und mit den notwendigen Erläuterungen wird hier durch den Installationsprozess geführt. Die Bedienung des Installationsprogramms erfolgt in allen Menüs in immer gleicher Weise durch Eingabe eines Anfangsbuchstabens oder Benutzung der Pfeiltasten (­,¯) und durch Ankreuzen mit der Leertaste und Aktivierung mit der Eingabetaste (¿). Die Schalter am unteren Bildschirmrand tragen je nach Menü unterschiedliche Namen, z.B. OK oder Cancel, und können mit der Tabulatortaste oder den Pfeiltasten (¬,®) ausgewählt werden.


Die einzelnen Schritte werden in den nachfolgenden Unterabschnitten erläutert.

2.4 Partitionierung der Festplatte

FreeBSD kann mit vielen anderen Betriebssystemen auf einem PC koexistieren. Natürlich braucht jedes Betriebssystem einen bestimmten, abgegrenzten Speicherbereich auf der Festplatte oder den Festplatten des Rechners. Das wiederum ist möglich, da eine Festplatte in sogenannte Partitionen aufgeteilt werden kann. In der FreeBSD-Welt wird eine Partition häufig Disk Slice genannt.


Jede Festplatte kann in maximal vier primäre Partitionen aufgeteilt werden. Darüberhinaus können erweiterte Partitionen eingerichtet werden, die logische Laufwerke im Sinne von MS-DOS oder Windows enthalten können.


FreeBSD benötigt eine primäre Partition und kann nur installiert werden, wenn genügend freier Platz auf der Festplatte vorhanden ist, der keiner anderen Partition zugeordnet wird. Das weiter oben erwähnte Programm fips.exe im Ordner tools kann eine primäre Windows-Partition aufspalten in zwei Windows-Partitionen, von denen dann die eine benutzt und die andere leer ist und somit für FreeBSD umgewidmet werden kann.


Die FreeBSD-Standard-Installation aus dem Hauptmenü heraus führt zunächst zum FDISK Partition Editor, der die bestehenden Partitionen und den unbenutzten Speicherplatz anzeigt; die Größenangaben beziehen sich auf Blöcke von 512 Byte Größe. Freier Plattenplatz im Umfang von einem Gigabyte würde also mit einer Zahl von etwa 2097152 angezeigt. Sind mehrere Festplatten im System vorhanden, so lassen sich deren Partitionierungsdaten nacheinander oder gezielt durch Ankreuzen im FDISK Partition Editor anzeigen und verändern; die dabei verfügbaren Tastenbefehle werden am unteren Bildschirmrand angezeigt.


Nach Beendigung des FDISK Partition Editor erfolgt die Abfrage, ob auf der gerade behandelten Festplatte der FreeBSD-Boot-Manager installiert werden soll, mit dem beim Rechnerstart das zu ladende Betriebssystem ausgewählt werden kann. Auf diesen Boot-Manager wird man nur in Ausnahmefällen verzichten wollen.


Wie groß sollte die FreeBSD-Partition sein? Sicherlich kann man mit etwa 200 Megabyte bei einer Minimalinstallation auskommen, jedoch ist dann die Freude am Betriebssystem auf Dauer nicht groß. Zusammen mit dem X-Window-System, das grafische Benutzeroberflächen ermöglicht, und einigen zusätzlichen Anwendungsprogrammen sind 500 Megabyte schon wenig. Anzuraten sind, falls genügend Platz vorhanden ist, eher schon ein bis zwei Gigabyte als Partitionsgröße. Für einen Arbeitsplatzrechner dürften aber andererseits auch selten mehr als vier Gigabyte sinnvoll sein.


Bei der Auslegung der Partitionen ist ein mögliches Problem zu beachten: Aufgrund von Restriktionen in den fest eingebauten BIOS-Programmen von PCs können nur solche Betriebssysteme von einer Festplatte gestartet werden, bei denen der Beginn der zugehörigen Partition in den ersten 1024 Zylindern der Platte liegt. Ein Zylinder ist ein bestimmter Teilbereich einer Festplatte. Da Festplatten heute praktisch immer über viel mehr als 1024 Zylinder verfügen, erfolgt die Adressierung der Festplattenbereiche bei modernen BIOS-Programmen indirekt über versteckte Umrechnungen, wobei die Zylinderzahl scheinbar reduziert wird (LBA-Modus).


Dennoch kann es vorkommen, dass eine Betriebssystem-Partition zu weit "hinten" auf einer Festplatte liegt und ein Systemstart deshalb nicht möglich ist. Bei einer großen Festplatte und Koexistenz von Windows ME und FreeBSD könnte deshalb beispielsweise folgende Partitonierung günstig sein:

  1. Primäre DOS/Windows-Partition von 2 Gigabyte Größe

  2. Primäre FreeBSD-Partition von 4 Gigabyte Göße

  3. Erweiterte DOS/Windows-Partition, die den Rest der Platte umfasst, mit einem logischen Laufwerk (z.B. 9 Gigabyte bei einer 15-Gigabyte-Platte).

Unter Windows stünden dabei zwei Partitionen mit den Laufwerksbezeichnungen C: und D: zur Verfügung. Programme und eigene Dateien sollten dann vom Nutzer bevorzugt unter D: installiert beziehungsweise abgelegt werden.


Am leichtesten ist die Partitionierung natürlich, wenn eine separate zweite Festplatte vorhanden ist, die ganz von FreeBSD genutzt werden kann. Dann kann der FDISK Partition Editor die Daten der ersten Festplatte unverändert lassen, und es ist nur erforderlich, den Boot-Manager auch auf der ersten Platte zu installieren.


Ist die Partitionierung erst einmal erfolgreich erledigt, so ist ein großer Schritt bei der Installation bereits geschafft.

2.5 Aufteilung der FreeBSD-Partition

Das BSD-Betriebssystem läuft auf vielen Rechnerachitekturen, von denen die meisten keine Aufteilung der Festplatte in BIOS-Partitionen ermöglichen, wie es bei PCs üblich ist. Deshalb partitioniert ein BSD-System die Festplatte selbst mit Hilfe eines Disk Label. FreeBSD auf einem PC verwendet das Disk Label, um die zur Verfügung gestellte primäre BIOS-Partition weiter aufzuteilen in Dateisysteme und einen Auslagerungsbereich (Swap Space) für die Speicherverwaltung.


Der nächste Schritt bei der Standard-Installation führt deshalb in den Disklabel Editor. Hier können die Zahl und die Größe von Dateisystemen und auch die Größe des Auslagerungsbereiches festgelegt werden. Erfahrene FreeBSD-Administratoren werden hier selbst Hand anlegen und die Einstellungen auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Dem Einsteiger ist jedoch anzuraten, einfach die automatische Einstellung mit der Taste A zu wählen und dann den Disklabel Editor per Taste Q zu verlassen.

2.6 Auswahl des Installationsumfangs

Der nächste Punkt der Standard-Installation erfordert wieder vor eine Entscheidung: Welcher Installationsumfang ist gewünscht?


Hier sind wieder einige Erläuterungen angezeigt. Eine FreeBSD-Installation umfasst minimal (A) zunächst das Betriebssystem im engeren Sinne, welches den Systemkern, Kommandozeilen-Dienstprogramme, Online-Dokumentation und Konfigurations-dateien einschließt. Dazu kommen typischerweise dann (B) das X-Window-System zur Unterstützung grafischer Oberflächen aus dem XFree86-Projekt und darüberhinaus (C) weitere Zusatzprogramme als systemnahe oder Anwendungs-Software aus einer Sammlung von inzwischen mehreren 1000 Paketen. Darunter sind Spiele wie xlincity, Text-Editoren wie emacs, Bildbearbeitungsprogramme wie gimp oder Office-Pakete wie StarOffice.


An der augenblicklichen Stelle des Installationsprogrammes geht es um die Bestimmung des Umfangs der Bestandteile (A) und (B)! Die einzurichtenden Zusatzprogramme der Rubrik (C) werden größtenteils an späterer Stelle bestimmt.


Der erfahrene Anwender wird mit dem Untermenü Custom den Installationsumfang wieder nach Bedarf selbst festlegen. Für den Anfänger ist es leichter, hier einfach X-User auszuwählen, was für einen guten Start reicht. Übrigens können jederzeit später vielleicht fehlende Teile nachinstalliert werden.

2.7 Die FreeBSD-Ports-Sammlung

Die FreeBSD-Ports-Sammlung ermöglicht die spätere Installation von Zusatzprogrammen der Rubrik (C). Es handelt sich um ein Gerüst aus Ordnern, Makefiles und anderen Dateien, um Programme ausgehend vom Quellcode zu übersetzen und zu installieren. Die Ports-Sammlung ist unter anderem sehr sinnvoll bei Rechnern mit einer guten Internet-Anbindung, um installierte Zusatzprogramme dann und wann aktualisieren zu können.


Für Anfänger ist es leichter, die benötigten Zusatzprogramme der Rubrik (C) den Sammlungen installationsfertiger Pakete (Packages) zu entnehmen, die auf FTP-Servern oder den CDs vorgehalten werden und fast den gleichen Umfang haben.


Sind FreeBSD mehere Gigabyte Platz auf der Festplatte eingeräumt, kann man 70 Megabyte Platzbedarf für die Ports-Sammlung im Kauf nehmen und diese auch dann installieren, wenn sie später nicht gebraucht wird. Wenn der Platz aber knapper bemessen ist, ist dem Anfänger ein Verzicht auf die Ports-Sammlung eher anzuraten.

2.8 Umfang des X-Window-Systems

Das nächste Menü bestimmt den Umfang der Installation des X-Window-Systems. Falls im vorletzen Punkt X-User ausgewählt wurde, ist hier eine brauchbare Vorauswahl getroffen. Wenn der Typ der in den Rechner eingebauten Grafikkarte bekannt ist, lohnt vielleicht ein Blick in das Untermenü Server. Für manche Typen von Grafikkarten gibt es eigene X-Server, die die Fähigkeiten der Karte optimal unterstützen. Eventuell läßt sich auch aufgrund der Identifizierung eines Namensteils ein geeigneter X-Server erkennen, der zusätzlich installiert werden kann. Falls nicht, beläßt man es als Anfänger guten Gewissens bei der voreingestellten Auswahl.


Der X-Server ist unter UNIX für die Verwaltung der grafischen Ein- und Ausgabegeräte wie Grafikkarte, Tastatur und Maus verantwortlich und stellt diese Ressourcen anderen Programmen, die X-Clients genannt werden, zur Verfügung.

2.9 Auswahl des Installationsmediums

Nach der Auswahl der X-Window-Komponenten erscheint noch einmal das Menü zur Bestimmung des Installationsumfangs, aus dem X-User ausgewählt wurde. Eine Leertastendruck oder Verlassen des Menüs führt jetzt zum nächsten Schritt, in dem das Installationsmedium ausgewählt wird. Wenn von CD installiert wird, ist alles ganz einfach. Es wird der entsprechende Menüpunkt ausgewählt. Allerdings ist es jetzt zu spät, die CD einzulegen; dies muss bereits beim Rechnerstart erfolgt sein, wie weiter oben bereits beschrieben wurde!


Eine Installation per FTP erfordert, Netzwerkkarte und gute Internet-Anbindung über ein lokales Netzwerk vorausgesetzt, die Auswahl eines FTP-Servers und die Konfiguration der Netzwerkkarte. Da der FreeBSD-Haupt-FTP-Server zur Zeit in Dänemark lokalisiert ist, liefert die Auswahl Primary Site gute Übertragungsraten. Es sind aber auch eine Reihe von FTP-Servern in Deutschland verfügbar, die ausgewählt werden können. Der FTP-Server der GWDG spiegelt ebenfalls ein Teil der FreeBSD-Daten und stellt diese zur Verfügung.


Die nachfolgend anstehende Netzwerkkonfiguration erfordert natürlich unter Umständen einige Sorgfalt. Zunächst einmal werden die verfügbaren Netzwerkadapter angezeigt. Dabei ist ein Zugang mit PPP zum Internet per Modem, das an der ersten seriellen Schnittstelle angeschlossen ist, auch auswählbar. Wer das nutzen möchte, kann es natürlich tun, sei aber wegen der sehr langen Ladezeiten noch einmal gewarnt; dieser Weg ist nicht so einfach zu beschreiten und wird auch nicht weiter beschrieben. Empfohlen wird eine FTP-Installation für Systeme, für die über ein lokales Netzwerk oder direkt eine gute Internet-Anbindung mindestens mit T-DSL respektive ADSL-Geschwindigkeit besteht.


Verfügt der Rechner über eine Netzwerkkarte, die von FreeBSD erkannt worden ist, die Erkennung gelingt fast immer problemlos, dann wird diese jetzt zur Konfiguration ausgewählt. Die erste Frage, ob eine Ipv6-Einstellung gewünscht wird, kann fast immer verneint werden, da es bislang kaum lokale Netze gibt, welche die Version 6 des Internet-Protokolls unterstützen. Die Beantwortung der zweiten Frage, ob eine DHCP-Konfiguration versucht werden soll, hängt davon ab, ob im lokalen Netz ein DHCP-Server verfügbar ist, der anderen Rechnern Internet-Adressen automatisch zuteilt. Falls nicht, dann müssen im nächsten Schritt die notwendigen Einstellungen von Hand vorgenommen werden. Folgende Angaben werden dabei benötigt:

Sind diese Informationen nicht bekannt, so bitte man den lokalen Netzwerk-Administrator um Hilfe. Bei einer DHCP-Einstellung der Netzwerkkarte werden die Daten automatisch ermittelt, was natürlich eine Erleichterung ist.

2.10 Start des Installationsprozesses

Nach Abschluss der Netzwerkeinstellung oder direkt nach Auswahl einer CD-Installation erscheint ein Menü, in dem um Bestätigung aller Aktionen gebeten wird. Noch kann bei einem Fehler der ganze Vorgang ohne Schaden für die bereits vorhandenen Betriebssysteme und Partitionen abgebrochen werden.


Wird dagegen der Installationswunsch bestätigt, so beginnt die Einrichtung der Partition, der Dateisysteme und das Kopieren des Betriebssystems auf die Festplatte, das je nach Rechnergeschwindigkeit, Datenvolumen und Medium einige Minuten in Anspruch nehmen kann.

2.11 Abschließende Konfigurationsfragen

Nach erfolgreicher Installation führt das Programm durch eine Reihe von Konfigurationsfragen, deren Bedeutung und Beantwortung in den folgenden Unterabschnitten erläutert wird. Die Einstellungen, die hier getätigt werden, können später jederzeit wieder geändert werden, so dass falsche Antworten, die aufgrund von Verständnisproblemen entstehen, später korrigierbar sind.

2.11.1 Netzwerkadapter, Gateway Funktion und FTP-Zugang

Bei einer Installation von CD besteht die Möglichkeit, an dieser Stelle einen Netzwerkadapter für ein lokales Netzwerk, wie an früherer Stelle für die FTP-Installation beschrieben, oder eine PPP-Einwahlverbindung per Modem einzurichten. Die Einrichtung von PPP wird an späterer Stelle ausführlicher erläutert und sollte hier übergangen werden.


In der Regel wird der Rechner keine Gateway-Funktion übernehmen, also Pakete zwischen unterschiedlichen Netzwerkbereichen vermitteln. Ebenso ist ein anonymer FTP-Zugang als Gast zu dem Rechner, wie ihn "große" FTP-Server normalerweise bieten, fast immer unerwünscht.

2.11.2 Export und Import von Netzwerk-Dateisystemen

UNIX-Rechner können mittels des NFS-Protokolls Dateisysteme für andere Rechner exportieren oder solche exportierten Dateisystem importieren. Netzwerklaufwerke unter Windows sind dem entfernt vergleichbar. In einem lokalen Netz aus mehreren oder vielen Rechnern ist das nützlich, bei einem Einzelrechner machen weder Export (Server) noch Import (Client) per NFS Sinn.

2.11.3 Sicherheitsprofil

Bei Rechnern in einem lokalen Netz mit permanenter Internet-Anbindung oder gar Servern ist Systemsicherheit sehr wichtig, bei Einzelrechnern ohne Netzanbindung oder mit reinem Modemzugang ist die Gefahr eines Einbruchs in das System geringer. Der erfahrene Systemadministrator wird daher ein Sicherheitsprofil in Erwägung ziehen. Als Einsteiger sollte man bei der Erstinstallation darauf verzichten, weil die Auswirkung von Sicherheitseinstellungen für UNIX-Anfänger nicht leicht duchschaubar sind. Später lassen sich Sicherheitseinstellungen immer noch hinzufügen.

2.11.4 Einstellung der Systemkonsole und der Zeitzone

Die Einstellmöglichkeiten für die Systemkonsole, also die Eingabe per Tastatur und die Bildschirmausgabe, sind nützlich. Man überprüfe insbesondere, ob die deutsche Tastaturabbildung noch eingestellt ist.


In der Regel verwendet die eingebaute Rechneruhr keine Greenwich-Zeit (UTC), sondern die lokale Uhrzeit. Als Zeitzone findet man unter Europe die Einstellung Germany.

2.11.5 Linux-Binärkompatibilität

Es sehr nützlich, Linux-Binärkompatibilität einzurichten, mit der fast alle Linux-Programme wie beispielsweise der nützliche Acrobat-Reader von Adobe auch unter FreeBSD lauffähig sind. Hierbei ist allerdings noch einmal ein größerer Datentransfer von CD oder vom FTP-Server notwendig.

2.11.6 X-Window-Konfiguration

Zur Zeit wird standardmäßig mit FreeBSD die Version 3.3.6 der XFree86-Software installiert, die augenblicklich noch sicherer ist als die neuen Versionen 4.x und ältere Grafikkarten besser unterstützt. Bei sehr modernen Grafikkarten ist jedoch meist die neueste Version 4.x erforderlich, die aber erst zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen der Software-Pakete der Grupee (C) installiert werden kann. XFree86 in der Version 4 arbeitet mit nur noch einem universellen Serverprogramm XFree86 für alle Grafikadapater und bietet eine bequeme Autokonfiguration, die nach der Installation dieser Software dann mit dem Befehlseingabe


# xf86cfg


aufgerufen werden kann. Nachfolgend wird die manuelle Konfiguration von XFree86 bis zur Version 3.3.6 beschrieben, die vom Installationsprogramm automatisch angestossen wird und bei Erfolg auch zu guten Ergebnissen führt.


Neuere Rechner verwenden manchmal eine Maus mit USB-Anschluss, was bei der ersten Frage zu diesem Themenkomplex zu beantworten ist. Danach wird der X-Server eingestellt; das heisst, die Kenndaten von Maus, Tastatur, Grafikkarte und Monitor müssen festgelegt werden. Nützlich bei wenig Erfahrung ist das Programm XF86Setup, das eine grafische Oberfläche bietet.


Viele Nutzer bevorzugen, den Mouse Daemon zu starten, weil dann auch ohne das X-Window-System die Maus wie früher unter MS-DOS üblich genutzt werden kann. Die Einstellung der Maus ist relativ leicht, da die automatische Erkennung über den meist verwendeten PS/2-Anschluß in aller Regel gut funktioniert.


Läuft der Mouse Daemon erfolgreich, so sind anschließend in der X-Einstellung /dev/sysmouse als Gerätename und SysMouse als Mausprotokoll schon korrekt eingestellt und die Maus arbeitet bereits. Die korrekte Einstellung der Tastaturabbildung ist ebenfalls leicht möglich.


Schwieriger ist die korrekte Angabe des Grafikadapters, wenn dieser nicht bekannt ist. Ansonsten wähle man den korrekten Typ aus der angebotenen Liste. Findet sich kein passender Eintrag, oder ist der Adaptertyp unbekannt, so empfiehlt sich, zunächst den Eintrag Unsupported VGA compatible zu wählen. Zwar sind dann Auflösung und Farbzahl sehr beschränkt, aber der X-Server läuft auf jeden Fall. Später kann dann immer noch eine bessere Einstellung vorgenommen werden.


Bei der Monitoreinstellung ist es wichtig, das Datenblatt des Monitors zur Hand zu haben, um damit die richtigen Wertebereiche für Horizontal- und Vertikalfrequenz eingeben zu können. Achtung: Ältere Monitore, die keinen elektronischen Überlastungsschutz haben, können durch Eingabe falscher Werte überlastet und zerstört werden! Sind die Werte unbekannt, so kann die erste Auswahlmöglichkeit Standard VGA normalerweise ohne Risiko verwendet werden.


Unter Mode Selection lassen sich dann die gewünschten Bildschirmauflösungen und Farbtiefen auswählen, wie es ähnlich unter Windows auch bekannt ist. Natürlich können bei einem Adapter vom Typ Unsupported VGA compatible und einem Monitor vom Typ Standard VGA nur eine Auflösung von 640x480 Punkten bei 8 Bit pro Pixel Farbtiefe gewählt werden!


Die Notwendigkeit, die anderen Einstellungen unter Other bei einer Standardinstallation zu verändern, dürfte kaum gegeben sein. Nach Betätigung von Done können im Erfolgsfall die Einstellungen gespeichert werden, wobei der Vorschlag /etc/XF86Config als Dateiname eine gute Wahl ist. Ebenso sollte der Vorschlag betreffend die Einrichtung einer Dateiverknüpfung (Link) im Anschluss akzeptiert werden.


Die Wahl bei der Einrichtung der Desktop-Umgebung als zweiter Teil der X-Window-Konfiguration ist abhängig vom individuellen Geschmack des Benutzers; am Anfang dürfte KDE aber in jedem Fall eine gute Wahl sein. Viele erfahrenere Systemverwalter nutzen die Fvwm-Umgebung. Die Einrichtung der Desktop-Umgebung erfordert in jedem Fall die Installation einer Reihe von Software-Paketen der Kategorie (C) der weiten oben vorgenommenen Klassifizierung, was vom Installationsprogramm automatisch vorgenommen wird.

2.11.7 Einrichten von Benutzern und Systemverwalter-Kennwort

Im nächsten Schritt wird die Einrichtung mindestens eines "normalen" Benutzers vorgeschlagen, der keine besonderen Rechte hat. Der Zugang als Systemverwalter unter dem Namen root sollte nur für wirkliche Administrationszwecke verwendet werden, weil bei der täglichen Arbeit sonst irrtümlich viel Schaden angerichtet werden kann. Die Namenswahl für unprivilegierte Nutzer ist in gewissen Grenzen frei (die maximale Namenslänge beträgt 16 Zeichen, nur Kleinbuchstaben und Ziffern sind erlaubt), bei Einzelsystemen oder in kleinen Arbeitsgruppen wird häufig der jeweilige Vorname des Nutzers verwendet. Vor der Einrichtung eines neuen Nutzers sollte eine neue Benutzergruppe eingerichtet werden, deren Name in ähnlichen Grenzen wie beim Benutzernamen frei wählbar ist, eine Möglichkeit ist der Gruppenname users. Die vom Programm vorgeschlagenen Nummern sollten in der Regel akzeptiert werden. Gruppenmitglieder brauchen im Group-Menü nicht eingetragen werden. Im User-Menü sollte der Systemadministrator seinen normalen, unprivilegierten Benutzernamen immer als Mitglied (Member) der Gruppe wheel eintragen. Die Stammordner (Home Directory) sollten aus Platzgründen im Dateisystem /usr angelegt werden, also etwa /usr/home/oliver für einen Nutzer mit dem Vornamen Oliver. Als Shell, das ist der Kommandozeilen-Interpreter, bietet sich die TC-Shell /bin/tcsh an, welche die Korrektur von Befehlen in der Kommandozeile mittels der Pfeiltasten unterstützt.


Der Systemverwalter wird danach aufgefordert, für den Benutzer root ein Kennwort oder Passwort setzen, damit der Zugang zum System geschützt ist.

2.11.8 Abschluss und Neustart

Das allgemeine Konfigurationsmenü kann anschließend aufgesucht werden, was jedoch bei einer Standardinstallation meist erst einmal nicht mehr nötig ist.


Zum Abschluss führt der Weg durch das Installationsprogramm zurück in das Hauptmenü. Das Programm wird jetzt mit Exit Install verlassen und der Rechner neu gestartet. Dazu sollten Startdisketten und/oder CD aus den Laufwerken entfernt werden, und im Erfolgsfall startet FreeBSD wenig später zum ersten Mal von der Festplatte.

3. Arbeiten mit FreeBSD

3.1 FreeBSD-Grundlagen

FreeBSD stellt ein Betriebssystem dar, das, mehrere Arbeitsplätze vorausgesetzt, mehreren Benutzern das gleichzeitige Arbeiten an einem Rechner ermöglicht. Die Prozessorleistung wird dabei zwischen den verschiedenen Benutzern und Programmen aufgeteilt, indem jedem aktiven Programm der Prozessor regelmäßig für ein kleines Zeitintervall (Zeitscheibe) zur Verfügung gestellt wird. Die nächste Zeitscheibe wird dann wieder an ein anderes Programm vergeben und das vorher aktive Programm angehalten. Das Betriebssystem berechnet anhand bestimmter Kriterien in regelmäßigen Zeitabständen Prioritätswerte für alle lauffähigen Programme und gruppiert diese daraufhin in unterschiedliche Warteschlangen ein.


Programme, die hauptsächlich Ein- oder Ausgabeoperationen vornehmen und deshalb ihre Zeitscheiben nicht voll ausnutzen können, erlangen dabei eine höhere Priorität, während Programme, die überwiegend rechnen und ihre Zeitscheiben vollständig verbrauchen, niedriger bewertet werden. Dieses Schema hat zur Folge, dass interaktive, mit dem Benutzer korrespondierende Programme ausreichend schnell antworten können. Solange der Rechner durch die anfallenden Aufgaben nicht überlastet ist, hat jeder Benutzer den subjektiven Eindruck, der Rechner stehe ihm allein zur Verfügung.


Die Einheit, in der FreeBSD die ablaufenden Programme verwaltet, ist der Prozess. Hinter jedem Prozess steht ein Programm, und jeder Prozess wird vom System durch eine eindeutige Nummer gekennzeichnet. Prozesse folgen hierarchisch aufeinander und haben Vorgänger und Nachfolger. Alle Prozesse in einem FreeBSD-System sind Nachfolger eines Stammprozesses, der beim Systemstart generiert wird.


FreeBSD besteht aus mehreren Komponenten mit unterschiedlicher Funktion. Beim Systemstart nach dem Einschalten des Rechners wird der Systemkern (Kernel) zumindest teilweise resident von einer Festplatte in den Hauptspeicher geladen; er verbleibt dort, bis der Rechner wieder abgeschaltet wird. Der Systemkern übernimmt die Verwaltung der laufenden Prozesse und die Zuteilung der Zeitscheiben. Alle Programme sind auf die Dienstfunktionen des Systemkerns angewiesen, wenn sie beispielsweise Arbeitsspeicherplatz anfordern oder Daten ein- und ausgeben wollen. Auf diese Weise schützt der Systemkern die um die Rechnerressourcen konkurrierenden Programme voreinander (und auch sich selbst).


Zum Betriebssystem gehören eine Vielzahl von Dienstprogrammen, die auf Anforderung in den Hauptspeicher geladen und ausgeführt werden. UNIX enstand in einer Zeit, als die Hauptspeicher noch klein waren. Deshalb erfüllt jedes Dienstprogramm nur eine ganz bestimmte und begrenzte Aufgabe, und eine große Stärke aller UNIX-Systeme besteht darin, dass sich die Dienstprogramme wie Module freizügig miteinander kombinieren lassen, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen.


Die Kommunikation mit dem Betriebssystem erfolgt über die Shell. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Dienstprogramm, das dem Benutzer die Eingabe von Kommandos ermöglicht, diese Kommandos analysiert und gegebenenfalls Anforderungen an den Systemkern richtet, um die Benutzerwünsche zu erfüllen.


Die aus den frühen UNIX-Jahren stammende Shell heisst nach ihrem Entwickler Bourne-Shell. Da sie manche Nachteile aufweist, entstanden im Laufe der Zeit weitere Shell-Programme wie die C-Shell und die TC-Shell, die Korn-Shell und die Bourne-Again-Shell. Jeder einigermaßen geübte C-Programmierer mit UNIX-Kenntnissen kann sich im Prinzip seine eigene Shell konstruieren, doch empfiehlt sich natürlich in der Regel die Verwendung einer allgemein akzeptierten und standardisierten Shell.


In den ersten BSD-Versionen war als damals neue Shell die C-Shell enthalten, die lange Jahre als Standard-Shell unter BSD für den Benutzerdialog galt. Die verbesserte TC-Shell mit einem Kommandozeilen-Editor und Unterstützung der Pfeiltasten hat unter FreeBSD die C-Shell seit einiger Zeit abgelöst.


Ein weiteres Thema in diesem Abschnitt ist das bestechend einfache Konzept von FreeBSD bei der Datenein- und -ausgabe. Eine Datei ist unter FreeBSD wie bei allen UNIX-Systemen einfach und immer ein strukturloser Strom von Bytes. Jedes Ein- oder Ausgabegerät, ob Bildschirm, Tastatur, Drucker, CD oder Festplatte, wird als Datei angesprochen, und es ist Aufgabe des Systemkerns, Datenstrom und Peripheriegerät miteinander in Einklang zu bringen. Alle Dateien sind hierarchisch angeordnet und werden mit Hilfe von Ordnern (Directories) verwaltet. Der gesamte Datenraum kann aus mehreren Dateisystemen bestehen, wenn verschiedene Festplatten-, Disketten- oder CD-ROM-Laufwerke verwendet werden, ohne dass diese Unterteilung für den Benutzer spürbar wird.


Eine der größten Stärken von FreeBSD und vieler anderer UNIX-Systeme besteht in der Netzwerkfunktionalität, die es zu einer idealen Plattform in lokalen Netzen und im Internet macht. Es ist möglich, Dateisysteme entfernter Rechner beispielsweise über das NFS-Protokoll auf einem lokalen Rechner so zu integrieren, als wäre es in lokales Dateisystem; es ist möglich, mittels der Software-Pakete Samba und Netatalk Datei- und Druckdienste für Windows- und Apple-Rechner anzubieten, da der FreeBSD-Systemkern auch das AppleTalk-Protokoll unterstützen kann; es ist möglich, Internet-Server einzurichten, verfügbare zusätzliche Software-Pakete wie Apache, Wu-Ftp, PostgreSQL oder MySQL seien hier erwähnt.

3.2 Benutzeranmeldung

3.2.1 Benutzer und Gruppen

Der Zugang zu einem FreeBSD-System erfordert eine Zugangsberechtigung, die vom jeweiligen Systemverwalter erteilt wird. Jeder Benutzer erhält einen Benutzernamen, unter dem er dem System bekannt ist, und wird intern mit einer eindeutigen Nummer geführt. Verschiedene Benutzer lassen sich zu einer Gruppe zusammenfassen, wenn sie beispielsweise an einem gleichen Projekt arbeiten. Gruppen sind ebenfalls durch einen Namen und eine Systemnummer gekennzeichnet.


Die Zugangskontrolle zum System erfolgt in der Regel nicht nur durch den Benutzernamen, der innerhalb des Rechnersystems öffentlich ist, sondern zusätzlich durch ein individuelles Pass- oder Kennwort, das jeder Benutzer geheimhalten sollte, um seine Daten zu schützen.


Für jeden Benutzer wird vom Systemverwalter ein "Stammordner" (Home Directory) auf dem Massenspeicher eingerichtet, in dem der Benutzer Dateien anlegen kann.


Zur Arbeit an einem FreeBSD-System wird ein Datensichtgerät (Terminal) benötigt. Normalerweise ist das meist die Systemkonsole selbst, bei Servern in dedizierten Rechnerräumen stehen entweder spezielle Sichtgeräte zur Verfügung, oder der Server ist über das lokale Netzwerk erreichbar.


3.2.2 Anmeldung am System

Nach dem Systemstart, bei dem der FreeBSD-Systemkern die Hardware erkennt und initialisiert, und bei dem danach verschiedene Dienste des Betriebssystems aktiviert werden, erscheint auf dem Monitor der Systemkonsole, also fast immer auf dem normalen Monitor des PC, die Aufforderung, einen Benutzernamen einzugeben:


login: root


Der Systemverwalter kann daraufhin root (oben kursiv dargestellt) eingeben, um sich anzumelden. Natürlich könnte hier auch ein Benutzername wie oliver eingegeben werden. Anschließend wird das geheime Kennwort abgefragt, das auf dem Bildschrim nicht dargestellt wird:


Password:


Wird das Kennwort richtig eingegeben, so erscheint eine Eingabeaufforderung (Prompt) des Befehls-Interpreters, der Shell:


# /stand/sysinstall


Die Eingabeaufforderung für root ist das Nummernzeichen "#", dem der Rechnername vorangestellt wird, falls dieser bei der Installation schon festgelegt wurde. Wieder kursiv dargestellt ist eine mögliche Eingabe des Administrators, der hier mit dem Befehl /stand/sysinstall das Installationsprogramm zur nachträglichen Systemkonfiguration aufruft.


Sehr nützlich ist, dass FreeBSD mehrere virtuelle Systemkonsolen unterstützt, die mit den Tastenkombination ALT+F1, ALT+F2, ALT+F3 usw. Ausgewählt werden können. ALT+F1 beispielsweise steht dabei für die gemeinsame Betätigung der ALT- und der F1-Taste.


Beenden lässt sich eine Dialog-"Sitzung" durch Eingabe von:


# exit


3.2.3 Starten des X-Window-Systems

Das X-Window-System kann mit dem Befehl


# startx


gestartet werden, nachdem es korrekt und erfolgreich eingerichtet worden ist. Auch ein automatisches Anlaufen des X-WIndow-Systems beim Systemstart ist möglich, soll jedoch hier nicht beschrieben werden.

3.3 Die Kommandozeilen-Schnittstelle

3.3.1 Zum Hintergrund

UNIX war ursprünglich ein Betriebssystem für die mittlere Datentechnik. Aufgrund seiner verhältnismäßig leichten Portabilität auf neue Rechnerarchitekturen hat es mittlerweile die ganze Bandbreite der Rechnertechnik vom PC-System bis zum Super-Computer erobert.


In der mittleren Datentechnik teilten sich mehrere Benutzer einen Rechner, wobei die Benutzer an Fernschreibern und später Datensichtgeräten arbeiteten. Noch heute ist das Datensichtgerät oder Terminal für UNIX-Systeme von zentraler Bedeutung, auch wenn es in der Regel in einem Bildschirmfenster oder als virtuelles Terminal an der Systemkonsole emuliert wird. Die Eingabe von Kommandos per Tastatur über ein derartiges "Terminal" ist zur Freude vieler FreeBSD-Nutzer anders als bei Windows-Systemen noch nicht über Bord geworfen worden.


Auch UNIX-Systeme wie FreeBSD bieten ein graphisches Fenstersystem, das X-Window-System, kurz X. Die Bedienung von X durch den Benutzer erfolgt mit Hilfe eines Window-Managers, der frei wählbar ist. Deshalb kann eine X-Window-Oberfläche aussehen wie die eines Windows-Systems oder die eines Apple Macintosh, sie kann aber auch durch den Motif- oder den Open-Look-Window-Manager geprägt sein, die in der UNIX-Welt eine lange Tradition haben. Moderne, große und integrierte Umgebungen wie KDE und Gnome umfassen Window-Manager und eine Sammlung von Anwendungsprogrammen.


Wichtig ist, dass X ein netzwerktransparantes Fenstersystem darstellt. Ein Programm kann bei Bedarf auf einem Rechner A ablaufen und die Interaktion des Benutzers mit diesem Programm kann auf einem Rechner B erfolgen. Das Programm wird in diesem Zusammenhang als X-Client bezeichnet. Die Darstellung der Fenster und die Benutzereingaben benötigen den X-Server, der Bildschirm, Tastatur und Maus von B kontrolliert. Für den Nutzer macht es prinzipiell keinen Unterschied, auf welchem Rechner X-Clients ausgeführt werden.


Ein wichtige Programmgruppe unter den X-Clients sind die Terminal-Emulatoren, die in einem Fenster den Umgang mit der Shell und die Eingabe von Befehlen gestatten.

3.3.2 Umgang mit der TC-Shell

Es ist vermessen, in einem kurzen Abschnitt die Bedienung eines FreeBSD-Systems mit der TC-Shell umfassend darstellen zu wollen. Die allerwichtigsten Befehle und Grundbegriffe seien aber vorgestellt.


Die Eingabeaufforderung der Shell für unprivilegierte Benutzer besteht oft aus einem Dollar- oder Prozentzeichen oder enthält ein solches Zeichen, während, wie oben beschrieben, für den Systemverwalter fast immer das Nummernzeichen (#) bevorzug wird.


Eine Tabelle in Anhang A gibt einen kleinen Überblick über eine Auswahl elementarer Befehle.


Zum Verständnis der Möglichkeiten der Shell müssen an dieser Stelle noch einige Grundbegriffe erläutert werden. Für jedes gestartete Programm werden standardmäßig drei Ein-/Ausgabekanäle eröffnet: die Standardeingabe (stdin), die Standardausgabe (stdout) und die Standardfehlerausgabe (stderr). Normalerweise sind alle drei Kanäle mit dem Sichtgerät verknüpft, so dass die Standardeingabe von der Tastatur gelesen wird und die beiden Ausgabekanäle mit dem Monitor verbunden sind.


Die Shell gestattet es nun, diese Kanäle umzuleiten, so dass Programme ganz einfach aus Dateien lesen oder in Dateien schreiben können. Auch kann die Standardausgabe eines ersten Programms mit der Standardeingabe eines zweiten Programms verknüpft werden, wobei beide Programme häufig sogar zeitlich versetzt parallel arbeiten können. Die Operatoren, die die Umleitung bewirken, sind "<", ">" und "|".


Bedingt durch diese Möglichkeiten wird aus dem zunächst primitiv erscheinenden cat-Kommando ein sehr vielseitiges Hilfsmittel; cat kopiert von der Standardeingabe auf die Standardausgabe, wenn keine Datei als Argument angegeben wird:


% cat

% cat /etc/rc.conf

% cat < /etc/rc.conf

% cat < /etc/rc.conf > rc.conf.copy

% cat -n /etc/rc.conf | more


In der ersten Variante, allein der Befehl cat wird eingegeben, liest cat Text von der Tastatur und gibt ihn auf dem Bildschirm aus, solange nicht als erstes Zeichen einer Zeile Strg+D (normalerweise das Zeichen für Dateiende) eingegeben wird. In der zweiten Zeile findet cat einen Dateinamen als Argument und kopiert deshalb diese Datei auf die Standardausgabe. In der dritten und vierten Zeile werden mit Hilfe der Shell Standardein- und -ausgabe umgelenkt. In der letzten Zeile gibt cat die Datei /etc/rc.conf mit Zeilennummern versehen an das Programm more weiter, das Daten seitenweise auf dem Bildschirm ausgibt.


In der TC-Shell kann mit Hilfe der Pfeiltasten eine Liste der zuvor eingebenen Befehle durchgeblättert werden, und einzelne Befehle können korrigiert werden. Die Löschtaste entfernt Zeichen links von Positionszeiger (Cursor), und "normale" eingegebene Zeichen werden links vom Positionszeiger eingefügt.


Ein sehr wichtiger Befehl ist man, der die Online-Dokumentation zu Befehlen, Dateiformaten und anderen Dingen auf dem Bildschirm anzeigt. Beispiele sind:


% man man

% man ls

% man tcsh

% man rc.conf

3.4 Umgang mit Text-Editoren

FreeBSD schließt ausser dem durchaus mächtigen, aber wenig komfortablen zeilenorientierten Text-Editor ed dessen Nachfolger ex und zwei bildschirmorientierte Text-Editoren ein: ee und vi. Der erstere ist am Anfang leichter bedienbar, weil die wichtigsten Bedienungsfunktionen, die sich am Wordstar-Quasi-Standard längst vergangener Tage orientieren, auf dem Bildschirm angezeigt werden.


Der Text-Editor vi, aus den frühen Tagen des BSD-Systems stammend, ist allerdings in der UNIX-Welt so bedeutend, dass es sich lohnt, ihn zumindest in Grundzügen zu erlernen. In Anhang B ist eine Tabelle mit wichtigen vi-Befehlen zu finden.


Vi unterscheidet einen Eingabe- und einen Kommandomodus. Im Eingabemodus werden fast alle vom Sichtgerät eintreffenden Zeichen als Text betrachtet. Will man dagegen dem vi Anweisungen erteilen, den Positionszeiger durch den Text bewegen oder die vi-Sitzung beenden, so muss der Befehlsmodus aktiv sein. Die ESC-Taste schaltet aus dem Eingabe- in den Befehlsmodus um, und bestimmte Kommandos wie a leiten aus dem Befehlsmodus den Eingabemodus ein.


Es empfiehlt sich, den Umgang mit dem vi ein wenig zu üben, und die in der Tabelle in Anhang B angegebenen Befehle einmal auszuprobieren. Es handelt sich dabei um eine kleine Auswahl von nützlichen Befehlen, mit denen allerdings schon recht zufriedenstellend gearbeitet werden kann.


Als kleines Beispiel sei beschrieben, wie eine Textdatei fbsd.txt erstellt werden kann, die folgenden Satz enthält: FreeBSD ist ein UNIX-Derivat, das Anfang der neunziger Jahre entstand. Nach dem Komma soll dabei der Text in einer neuen Zeile fortgesetzt werden. Zunächst wird der Text-Editor aufgerufen:


% vi fbsd.txt


_

~

~

~

~

~

~

~

fbsd.txt: new file: line 1


Danach zeigt sich auf dem Monitor das oben dargestellte Bild. Mit dem Zeichen "~" sind leere Zeilen gekennzeichnet, und die unterste Zeile, die Befehlszeile des Editors, enthält eine Statusinformation. In der ersten Zeile befindet sich der Positionszeiger, hier mit dem Zeichen "_" wiedergegeben.


FreeBSD ist ein UNIX-Derivat,

das Anfang der neunziger Jahre entstand_

~

~

~

~

~

~



Nun wird mit "a" in den Eingabemodus umgeschaltet, und der Text einschliesslich des Zeilenvorschubs, der mit der Eingabetaste angefordert wird, eingegeben. Danach wird der Eingabemodus durch Betätigung der ESC-Taste beendet, worauf sich das oben dargestellte Bild ergibt. Die Befehlszeile unten ist leer, und der Positionszeiger steht über dem Punkt am Satzende. Das Abspeichern der Datei und Beenden des Editors erfolgt anschließend mit dem Befehl ZZ.


Ein ebenfalls weitverbreitete und alternative Text-Editor-Software ist emacs, welche in der Sammlung installationsfertiger Programme der Rubrik (C) zu finden ist.

3.5 Anwendungs-Software

Im Laufe der vielen Jahre der Existenz von UNIX ist sehr viel Software, und darunter sehr viel freie Software, für UNIX-Systeme entstanden. Da zu jeder Zeit mehr oder weniger kleine Unterschiede zwischen verschiedenen UNIX-Derivaten bestanden haben, ist eine Portierung auf ein bestimmtes Zielsystem meist mit etwas Arbeit verbunden. FreeBSD bietet mit der Ports-Sammlung beziehungsweise den daraus abgeleiteten fertigen Software-Packages eine große Hilfe bei der Installation von Anwendungs-Software.


Am leichtesten erfolgt die Installation dieser Pakete mit Hilfe des Installationsprogramms /stand/sysinstall; alternativ kann der Befehl pkg_add verwendet werden. Das Installationsprogramm bietet aber beim Anzeigen der Paketliste Kurzbeschreibungen zu einem jeden Paket, so dass das Stöbern darin sehr lehrreich sein kann.


Einige Anwendungsprogramme wie z. B. der Acrobat Reader benötigen die Linux-Laufzeitumgebung, die von FreeBSD bereitgestellt wird. Abhängigkeiten zwischen dan Paketen werden fast immer korrekt berücksichtigt, so dass die Auswahl eines Pakets die Installation mehrerer anderer Pakete bewirken kann.


Eine kleine Liste nützlicher Programme sei vorgestellt, die wohl je nach Geschmack und Arbeitsbedürfnissen bei über mehreren 1000 verfügbaren Paketen für jeden Benutzer individuell anders ausfallen würde.


ImageMagick und gimp sind leistungsfähige Bildbearbeitungsprogramme, kde bietet eine integrierte Desktop-Umgebung mit viel nützlicher Software einschließlich Office-Programmen, ghostscript und apsfilter helfen bei der Einrichtung und dem Betrieb von Druckern, xfig ist eine gute Wahl für die Erstellung technischer Zeichnungen und teTex enthält das überaus leistungsfähige Satzsystem LaTeX. Auch Spiele sind vorhanden, xlincity etwa ist ein gut gemachtes Simulationsspiel. Für numerische und statistische Berechnungen bieten sich octave oder R an.


Nicht zu vergessen und wichtig sind natürlich Internet-Browser-Programme wie beispielsweise netscape!



4. Systemkonfiguration

4.1 Wichtige Konfigurationsdateien

Das FreeBSD-Installationsprogramm, das jederzeit mit


# /stand/sysinstall


aufgerufen werden kann, erlaubt viele Einstellungsarbeiten, ohne dass der Administrator mit einem Text-Editor direkt Konfigurationsdateien bearbeiten muss. Andererseits schätzt aber der erfahrene Systemadministrator gerade die Möglichkeit, mit einem Editor Änderungen nach seinen Bedürfnissen vornehmen zu können.


Daher seien an dieser Stelle die allerwichtigsten Konfigurationsdateien genannt. Einträge, die das Installationsprogramm vorgenommen hat, können als Muster für eigene Änderungen dienen, und meist ist auch Online-Dokumentation mit dem man-Befehl abrufbar.


Datei

Funktion

/etc/group

Beschreibt die Benutzergruppen.

/etc/hosts

Dient zur Übersetzung von Rechnernamen in Internet-Adressen ohne Abfrage eines DNS-Servers.

/etc/inetd.conf

Bestimmt, welche Dienste der Internet Super Daemon inetd des Systems im Netzwerk anbietet.

/etc/master.password

Enthält die eingetragenen Benutzer und die verschlüsselten Kennwörter.

/etc/ppp/ppp.conf

Bestimmt Einwahl- und Modemparameter.

/etc/rc.conf

Allgemeine Systemkonfiguration.

/etc/resolv.conf

Enthält Einträge über DNS-Server zur Übersetzung von Rechnernamen in Internet-Adressen und umgekehrt.

/etc/XF86Config

Enthält die Konfiguration des X-Servers.


Änderungen in /etc/rc.conf werden erst nach einem Neustart des Betriebssystems in den Multi-User-Mode wirksam, und Änderungen in /etc/inetd.conf müssen dem inetd durch den Befehl


# killall -HUP inetd


angezeigt werden, es sei denn, es wird neu in den Multi-User-Mode gestartet. Auch der X-Server muss beendet und neu gestartet werden, um Änderungen in der Konfiguration wirksam werden zu lassen.


Der Multi-User-Mode ist der normale Betriebsmodus des Systems. Um das System in den Single-User-Mode zu bringen, eignet sich folgender Befehl:


# shutdown now


Im Single-User-Mode kann nur der Systemadministrator an der Konsole selbst arbeiten, die Zahl der laufenden Prozesse ist minimal. Durch das Kommando


# exit


verläßt der Administrator den Single-User-Mode und startet wieder den Multi-User-Mode.


Das System kann nach Einschalten des Rechners in den Single-User-Mode gestartet werden, wenn der Boot-Countdown "Booting [kernel] in ... seconds..." mit der Leertaste unterbrochen und als Befehl


boot -s


eingegeben wird.


Die nur für den Administrator zugängliche "versteckte" Kennwortdatei /etc/master.password mit den eingetragenen Benutzern sollte nur mit Dienstprogrammen wie


# vipw


bearbeitet werden, da daraus dann automatisch die vom System genutzen binären Datenbanken und die offene Kennwortdatei /etc/passwd abgeleitet werden, die aus Sicherheitsgründen keine verschlüsselten Kennwörter enthält.

4.2 Konfiguration des Systemkerns

Gegenüber dem Standard-Systemkern spart ein angepasster Kernel häufig Speicherplatz ein; auch können bestimmte Parameter verändert werden, was für Server wichtig sein kann. Nicht zuletzt wird Hardware, die für den Installationsprozess selbst nebenrangig ist, im Standard-Systemkern nicht unterstützt; Soundkarten-Treiber sind ein typisches Beispiel.


Da allerdings die Modularisierung des Systemkerns immer weiter voranschreitet, ist die Generierung eines neuen Kerns zur Audiounterstützung nicht mehr unbedingt nötig; es reicht auch, entsprechende Module zu laden:


# kldload /modules/snd.ko


Um das Beispiel Audiounterstützung zu vervollständigen, sei noch darauf hingewiesen, dass im Verzeichnis /dev Gerätedateien angelegt werden müssen:


# cd /dev

# sh MAKEDEV snd0


Die Generierung eines angepassten Systemkerns erfordert das Bearbeiten einer Konfigurationsdatei mit einem Text-Editor, das Installieren des Quellkodes des Kerns, und ein Übersetzen, Binden und Installieren des neuen Systemkerns. Das FreeBSD-Handbuch enthält ausführliche Informationen zur Erstellung eines angepassten Systemkerns.

4.3 Einrichten von Druckern

Der BSD-Drucker-Spooler, der Warteschlangen für Druckaufträge verwaltet, ist in der ganzen UNIX-Welt weitverbreitet. Obwohl sehr logisch aufgebaut und leistungsfähig konzipiert, ist die Einrichtung von Druckern für unerfahrene Systemadministrator nicht leicht.


Daher gilt hier die Empfehlung, zunächst das Zusatzpaket apsfilter zu installieren und zu versuchen, mit diesem hilfreichen Werkzeug einen Drucker einzurichten. Der Befehl


# man apsfilter


gibt dazu eine Reihe nützlicher Informationen aus. Bei Problemen, Interesse an der Funktionsweise oder dem Wunsch, es doch alles manuell zu machen, helfen das FreeBSD-Handbuch oder ein Blick in die Dokumentation des BSD-Spoolers:


# gunzip < /usr/share/doc/smm/07.lpd/paper.ascii.gz | more

4.4 Einwahl per Modem mit PPP

4.4.1 Einleitung

FreeBSD unterstützt das Point-to-Point-Protokoll (PPP) in zwei Varianten: User-Mode-PPP und Kernel-Mode-PPP. User-Mode-PPP ist die jüngere, einfachere und flexiblere Methode, Kernel-Mode-PPP gilt als etwas effizienter; nachfolgend wird nur User-Mode-PPP in der einfachsten Variante beschrieben.


User-Mode-PPP verwendet ein Programm namens ppp im Verzeichnis /usr/sbin, einige Konfigurationsdateien im Verzeichnis /etc/ppp, insbesondere ppp.conf, sowie einen Tunnel Driver im Systemkern. Unterstützt werden ohne besonderen Konfigurationsaufwand alle üblichen Modem-Typen mit Hayes-Befehlssatz.


Die nachfolgend beschriebenen Arbeiten als auch das manuelle Starten von ppp müssen privilegiert unter dem Benutzernamen root erfolgen, wenn keine weiteren Vorkehrungen getroffen werden. Die Nutzung der aufgebauten Verbindung ist anschließend jedem normalen Benutzer im lokalen FreeBSD-System möglich. Häufig handelt es sich bei Systemen, die ppp benutzen, ja um Arbeitsplatzrechner mit einem einzigen normalen Benutzer, so dass diese Bedingungen annehmbar sind. Mit geringem Mehraufwand kann auch eine Startoption für unprivilegierte Benutzer geschaffen werden.


Allerdings lässt sich die Einrichtung von ppp auch so vornehmen, dass beim Systemstart ein Daemon-Prozess ins Leben gerufen wird, der bei einem Zugriff auf das Internet automatisch per Modem eine Einwahl vornimmt. Ferner besteht die Möglichkeit, über einen solchen zentralen FreeBSD-Rechner einem ganzen lokalen Netzwerk basierend auf privaten Adressen (beginnend zum Beispiel mit 192.168.) Internet-Zugang zu bieten. Diese Mechanismen für fortgeschrittene Anwender werden jedoch im folgenden nicht erläutert; hier sei auf das Handbuch und die Online-Dokumentation verwiesen.

4.4.2 Kernel-Konfiguration

Der Standard-Kernel, der bei der Installation verwendet wird, enthält bereits den Tunnel Driver. Wird ein eigener Systemkern konfiguriert und kompiliert, so muss folgende Zeile in die Kernel-Konfigurationsdatei aufgenommen werden:


pseudo-device tun 1


4.4.3 PPP-Konfiguration

Die Hauptkonfigurationsdatei ist /etc/ppp/ppp.conf. Sie wird am einfachsten durch Anpassen der Vorlage mit Hilfe eines Text-Editors erstellt. Das Resultat sieht beispielsweise wie folgt aus:


#############################################################

#

# PPP Configuration File

#

#############################################################


# Default setup. Always executed when PPP is invoked.


default:

set device /dev/cuaa1

set dial "ABORT BUSY ABORT NO\\sCARRIER TIMEOUT 5 \"\" ATE1Q0 OK-AT-OK \\dATDT\\T TIMEOUT 40 CONNECT"

set log Phase Chat LCP IPCP CCP tun command

set speed 115200

set ifaddr 10.0.0.1/0 10.0.0.2/0 255.255.255.0 0.0.0.0

set timeout 120

add default HISADDR

enable dns


# provider setup


provider:

set authkey saumagen

set authname hkohl

set phone 0180333666


Diese Konfigurationsdatei gliedert sich in zwei Abschnitte: Unter default werden globale Vereinbarungen getroffen, welche die Anbindung des Modem und typische Einstellungen für fast alle Provider betreffen, und anschließend folgt ein Abschnitt pro Einwahldienst. Im Beispiel ist nur ein Abschnitt provider vorhanden, wobei dieser Name frei wählbar ist.


Welche Einträge dieser Beispieldatei müssen nun in der Regel im praktischen Einsatz überhaupt angepaßt werden?


Nur selten dürfte die Notwendigkeit bestehen, anstelle des modernen Tonwahlverfahrens das alte Impulswahlverfahren zu verwenden. In diesem Fall wäre bei set dial die Zeichenkette ATDT durch ATDP zu ersetzen.


Ist das Modem jedoch nicht an die zweite, sondern an die erste serielle Schnittstelle angeschlossen, so muß die Zeile


set device /dev/cuaa1


durch


set device /dev/cuaa0


ersetzt werden. Handelt es sich um ein älteres Modem mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 14,4 kBit/s, so sollte die Zeile


set speed 115200


in


set speed 57600


abgewandelt werden.


Die folgenden zwei Einträge beinhalten das Kennwort und den Benutzernamen für die Anmeldung auf dem Server und müssen natürlich immer entsprechend der eigenen Kennung angepasst werden:


set authkey saumagen

set authname hkohl


Die zu wählende Telefonnummer des Providers wird durch


set phone 05512016


festgelegt. Die Einträge


set timeout 120

set ifaddr 10.0.0.1/0 10.0.0.2/0 255.255.0.0 0.0.0.0

add default HISADDR

enable dns


bestimmen eine automatische Trennung der Verbindung nach 120 Sekunden Inaktivität, das Aushandeln der Internet-Adresse, das Standard-Gateway sowie eine automatische Aktualisierung der Datei /etc/resolv.conf für die DNS-Namensauflösung.


Man beachte, dass in dieser Datei /etc/ppp/ppp.conf Benutzername und Kennwort des Internet-Zugangs im Klartext enthalten sind. Sind auf dem eigenen FreeBSD-Rechner mehrere Benutzer zugelassen, so muss die Datei deshalb mit folgenden beiden Befehlen unbedingt gegen unbefugtes Lesen geschützt werden:


# chown root.wheel /etc/ppp/ppp.conf

# chmod 600 /etc/ppp/ppp.conf


4.4.4 Starten von PPP

Sind die Konfigurationsdateien einmal fertiggestellt, so kann der Systemverwalter (root) die PPP-Verbindung starten, wobei idealerweise ein separates Terminal-Fenster oder eine separate Konsole verwendet wird:


# ppp


Danach meldet sich das PPP-Programm mit einer eigenen Befehlszeile. In dieser Befehlszeile wird der Befehl zum Aufbau der Verbindung eingegeben. Eingaben von der Tastatur sind kursiv dargestellt, host wird von ppp durch den tatsächlichen Rechnernamen ersetzt, und anstelle von provider ist der in /etc/ppp/ppp.conf festgelegte Name des Eintrags für den Provider einzugeben:


Working in interactive mode

Using interface: tun0

ppp ON host> dial provider


Vorausgesetzt, dass die Konfiguration korrekt erfolgt ist, beginnt das Modem mit der Einwahl, und die Verbindung wird aufgebaut:


Dial attempt 1 of 1

Phone: 0180333666

dial OK!

login OK!

ppp on odin> Packet mode.

ppp on odin>

PPP on odin>


Wenn die letzte dargestellte Zeile mit dem Ausdruck PPP in Großbuchstaben erscheint, ist die Verbindung nutzbar. Ob ftp, telnet, Surfen mit netscape oder einem anderen Internet-Browser oder sogar Audio- und Videokonferenzen per MBone-Tools - jetzt stehen viele Möglichkeiten offen!



5. Abhilfen bei Schwierigkeiten

Anhang C enthält Hinweise auf Ressourcen, die bei Problemem helfen können. Es handelt sich zum einen um Bücher, und zum anderen um Internet-Adressen.


Über die Internet-Seiten des FreeBSD-Projekts sind viele weitere Informationen auffindbar.


Das FreeBSD-Handbuch ist bei einer Standard-Installation auf dem eigenen Rechner mit installiert und kann mit einem Internet-Browser unter der Adresse


file:/usr/share/doc/handbook/handbook.html


geöffnet werden.


Im Handbuch finden sich Hinweise auf die vielen FreeBSD-Mailing-Listen, von denen besonders FreeBSD-Questions@FreeBSD.Org genannt werden soll. Viele Fragen werden hier gestellt und können gestellt werden, und oft werden hilfreiche Antworten gegeben.


  1. Tabellarische Befehlsübersicht

Die Tabelle zeigt eine Übersicht über ausgewählte elementare Befehle. Einige Kommandos sind nur für den Systemadministrator nutzbar; die entsprechenden Texte sind unterlegt dargestellt.


Be-fehls-name

Be-fehls-zusätze

Funktion

Beispiel

cat

-n
-v

Kopiert Daten aus einer Datei oder von der Standardeingabe auf die Standardausgabe; kann mit den Befehlszusätzen Zeilen numerieren oder nicht druckbare Zeichen darstellen.

cat /etc/rc.conf

chmod

-R

Ändert die Zugriffsrechte auf Dateien oder mit Befehlszusatz rekursiv für einen Dateibaum.

chmod -R go+r ~

chown

-R

Ändert den Eigentümer und ggf. die Gruppenzugehörigkeit einer Datei.

chown root /root

cd


Ändert den aktuellen Ordner.

cd /etc

cp

-p
-r

Kopiert Dateien, kann mit Befehlszusätzen Merkmale einer Datei wahren und rekursiv Dateibäume kopieren.


ee


Text-Editor mit Wordstar-kompatiblen Befehlen und Bildschirmhilfe.

ee .cshrc

halt


Anhalten des Systems zum Ausschalten.

halt

lpr


Sendet Dateien an den Drucker-Spooler.

lpr .cshrc

ls

-F

-l

Listet Dateien und Ordner auf, mit Befehlszusätzen werden Ordner oder ausführbare Programme gekennzeichnet oder eine lange Liste ausgegeben.

ls -l /bin

man

-k

Zeigt Seiten aus der Online-Dokumentation an; mit Befehlszusatz kann nach Stichworten gesucht werden.

man -k ppp

mkdir


Erzeugt neue Ordner.

mkdir work

more


Zeigt Dateiinhalte seitenweise auf dem Bildschirm an.

more /etc/rc.conf

mv


Benennt Dateien oder Ordner um oder verschiebt diese.

mv work

reboot


Startet den Rechner neu.

reboot

rm

-i

Löscht Dateien und Dateiverknüpfungen, mit Befehlszusatz muss jeder Löschvorgang mit y für Yes bestätigt werden.

rm -i .xinitrc

rmdir


Löscht leere Ordner.

rmdir work

vi


Startet den Texdt-Editor vi.

vi /etc/rc.conf

  1. Wichtige vi-Befehle

In der folgenden Tabelle steht die Abkürzung PZ für den Positionszeiger oder Cursor, der nicht nur mit den Buchstabentasten h, j, k, und l, sondern auch mit den Pfeiltasten bewegt werden kann.


Befehl

Bedeutung

Beschreibung

$

End of line

Bewegen des PZ zum Zeilenende.

/pattern

Search

Suchen nach einer Zeichenkette oder einem Textmuster.

0

Beginning of line

Bewegen des PZ zum Zeilenanfang.

:q!

Quit

Verlassen des Editors ohne Speicherung der Änderungen.

:r file

Read file

Einfügen einer Datei nach der Zeile mit dem PZ.

:set nu

Set number

Anzeigen von Zeilennummern auf dem Bildschirm.

:set smd

Set show mode

Anzeigen des Modus auf dem Bildschirm.

a

Append

Umschalten in den Eingabemodus; die Eingabe beginnt nach dem PZ.

Strg+B

Backward

Umblättern zur vorhergehenden Bildschirmseite.

D

Delete rest of line

Löschen aller Zeichen vom PZ bis zum Zeilenende.

dd

Delete line

Löschen der Zeile, in der der PZ sich befindet.

Strg+F

Forward

Umblättern zur nächsten Bildschirmseite.

h

Left

Bewegen des PZ nach links.

i

Insert

Umschalten in den Eingabemodus; die Eingabe beginnt vor dem PZ.

J

Join lines

Zusammenfügen der Zeile, in der der PZ sich befindet, und der nachfolgenden Zeile.

j

Down

Bewegen des PZ nach unten.

k

Up

Bewegen des PZ nach oben.

l

Right

Bewegen des PZ nach rechts.

O

Open line

Einfügen einer leeren Zeile vor der Zeile mit dem PZ und Umschalten in den Eingabemodus.

o

Open line

Einfügen einer leeren Zeile nach der Zeile mit dem PZ und Umschalten in den Eingabemodus.

r

Replace

Ersetzen des Zeichens unter dem PZ duch das nächste eingegebene Zeichen.

u

Undo

Rückgängig machen der letzten Änderung.

x

Delete

Löschen des Zeichens unter dem PZ.

ZZ

Save and exit

Speichern der Datei und Verlassen des Editors.


  1. Internet-Adressen und Literaturangaben

Informationen zu FreeBSD und anderen BSD-Systemen bieten unter anderem Internet-Seiten mit folgenden Adressen:


http://www.freebsd.org

http://www.netbsd.org

http://www.openbsd.org

http://www.daemonnews.org


FreeBSD steht auf vielen FTP-Servern zur Verfügung; der Haupt-Server befindet sich zur Zeit in Dänemark:


ftp://ftp.freebsd.org/pub/FreeBSD


Ein unvollständiges Spiegelbild befindet sich auf dem FTP-Server der GWDG unter:


ftp://ftp.gwdg.de/pub/freebsd


Unterhalb des oben genannten Ordners auf dem Servern sind weitere Ordner vorhanden, von denen einige besonders erwähnt werden sollen:



CERT

Dieser Ordner und seine Unterordner enthalten Hinweise und Lösungen zu Sicherheitsproblemen.


releases/i386/m.n-RELEASE

Enthalten sind hier Dateien und Unterordner zu einem bestimmenten FreeBSD-Release; m und n sind durch Versionsnummern zu ersetzen
(z.B. 4.3-RELEASE).

releases/i386/m.n-RELEASE/floppies

Hier finden sich Disketten-Abbilder zur Erzeugung von Startdisketten.

releases/i386/m.n-RELEASE/tools

Ein Ordner mit vielen nützlichen Programmen, die unter MS-DOS oder MS-Windows ausgeführt werden können, etwa zur Größenänderung einer FAT-Partition oder zum Erzeugen von FreeBSD-Start-Disketten.


releases/i386/ISO-IMAGES

An dieser Stelle finden sich fertige CD-Abbilder zu einigen FreeBSD-Versionen, die nach einem Download auf CD geschrieben werden können.


Literatur zu FreeBSD und anderen BSD-Systemen ist ebenfalls verfügbar (die Reihenfolge beinhaltet keine Wertung):

  1. M. Schulze, B. Röhrig et al.: BSD mit Methode, C&L-Verlag 1998, incl. CD; ISBN 3-932311-31-0

  2. T. Mittelstaedt: The FreeBSD Corporate Networkers Guide, Addison-Wesley 2001, incl. CD; ISBN 0-201-70481-1

  3. G. Lehey, The Complete FreeBSD, WindRiver 2001, auf Wunsch incl. 4 CDs; ISBN 1-57176-246-9.

  4. M. K. McKusick, Keith Bostic et al.: The Design and Implementation of the 4.4BSD Operating System, Addison-Wesley 1996; ISBN 0-201-54979-4

  5. FreeBSD Handbook: http://www.freebsd.org/handbook/

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